Atoms For Peace: „Amok“ | Stefan Herber

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Friday, 1. March 2013Blog, Musik 0 Comments
Atoms For Peace: „Amok“

Als Radiohead-Frontmann Thom Yorke 2006 mit „The Eraser“ seine erste Soloplatte heraus brachte, wollte diese auch live umgesetzt werden. Dafür lud er sich prominente Verstärkung ein und trat mit dieser zunächst namenlos auf, dann als „????“ und ab 2010 als Atoms For Peace. Die Live-Kollaboration trägt nun Früchte und bringt mit „Amok“ ihr erstes gemeinsames Studioalbum auf den Markt.

Es reicht die Namen der Bandmitglieder zu lesen, damit einem das Herz aufgeht: Neben Thom Yorke ist Flea, Bassist der Red Hot Chili Peppers, wohl der prominenteste Vertreter. Unterstützt werden die beiden aber von nicht weniger großen Namen: Nigel Godrich, Produzent und Toningenieur unter anderem für U2, Air, R.E.M. und Beck, Drummer Joey Waronker, ebenfalls ein Weggefährte von R.E.M. und Beck, sowie Percussionist Mauro Refosco, bekannt unter anderem durch Kollaborationen mit Brian Eno. Das hat live damals wunderbar funktioniert …

„Von Kid A“ über „The Eraser“

Aber was erwartet einen nun auf „Amok“: Radioheads Melancholie trifft auf funkige Chili Peppers Basslines? Fehlanzeige. Wüsste man es nicht, würde man einen Flea, bis im Opener „Before Your Very Eyes“, kaum heraushören. Dagegen ist der Einfluss Yorkes unüberhörbar. Das liegt natürlich an der markanten Stimme. Es scheint aber auch eine logische Konsequenz zum letzten Radiohead Album „The King Of Limbs“ (2011) zu sein und ein wenig fühlt man sich auch an die „Kind A“-Zeiten (2000) erinnert. Schlussendlich knüpft es aber am ehesten an Yorkes Solowerk „The Eraser“ (2006) an.

Kurz: Beinahe durchgehend frickelt und wummert es aus allen Richtungen, Synthieflächen streuen sich sanft zwischen die kontrollierte Hektik und Thom Yorke schwebt im Falsett unbeeindruckt sanft über das, was unter ihm passiert: hochkomplexe Arrangements, die nicht von einzelnen Höhepunkten leben, sondern viel mehr von einer dichten, atmosphärischen Monotonie, die dem gemeinen Radiohörer vermutlich einiges abverlangt – dem geduldigen Genießer aber ein Feuerwerk an spannenden Details bietet.

Neue Single und Neues von Radiohead

„Ingenue“ heißt die gerade veröffentlichte Single-Auskopplung aus „Amok“. Dabei handelt es sich bei „Ingenue“ wohl noch um einen der poppigsten Song unter den neun Titeln der Platte. Im Video zeigt sich, wie schon zur Radiohead-Single „Lotus Flower“, einen „tanzender“ Thom Yorke. Es ist garantiert nur eine Frage der Zeit, bis das Netz auch dieses Mal wieder mit Parodien überschwemmt wird.

Übrigens: Neues von Radiohead darf auch erwartet werden. Von offizieller Seite heißt es, dass die Band im Spätsommer diesen Jahres die Arbeiten am Nachfolger zu „The King Of Limbs“ beginnen wollen. Bisher gäbe es dazu rund 50 Song-Entwürfe. Zwei Songs wurden, so heißt es, gemeinsam mit Jack White (The Dead Weather, Ex-White Stripes) bereits aufgenommen, aber noch nicht fertiggestellt.

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