CROSSES: ††† | Stefan Herber

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Wednesday, 19. March 2014Blog, Musik 0 Comments
CROSSES: †††

Im Jahr 2000 veröffentlichen die Deftones mit „White Pony“ ihr drittes und bis heute erfolgreichstes Album – als Sahnehäubchen gab es sogar noch einen Grammy für den Song „Elite“ oben drauf. Alles erreicht, könnte man sagen. Frontmann Chino Moreno hat sich aber nicht zur Ruhe gesetzt, sondern scheint erst heute, 14 Jahre später, auf dem Zenit seines künstlerischen Schaffens angekommen zu sein.

MORENO UND SEIN ZWEITES STANDBEIN

Selbst wenn die Verkaufszahlen und Charts-Positionen der letzten Deftones-Platte „Koi No Yokan“ (2012) nicht an die von „White Pony“ herankamen, so entsprach das kommerzielle Ergebnis längst nicht dem musikalischen Resultat: So beinhaltete „Koi No Yokan“ den typischen Deftones-Sound, gepaart mit neuen Einflüssen und einer Brise mehr Gefühl, statt purer Aggression. Vermutlich ist „Koi No Yokan“ das beste Album seit „White Pony“ – sowohl in puncto musikalischer Qualität als auch in kreativer Vielfältigkeit.

Abseits der Deftones hat sich Chino Moreno irgendwann ein zweites Standbein geschaffen: Team Sleep hieß das erste Seitenprojekt, dass sich aber nie wirklich durchsetzen konnte. Seit 2011 steht er mit einer neuen Formation auf der Bühne: Crosses – oder auch †††. Mit an Bord, oder viel mehr an der Gitarre, findet sich unter anderem Shaun Lopez von Far. Scheinbar war die Bühne auf lange Sicht aber zu klein und so steht die Band jetzt mit ihrem ersten Longplayer in den Plattenregalen. Das selbstbetitelte Debüt beinhaltet satte 15 Tracks, zum Teil von den ersten beiden zuvor veröffentlichten EPs, zum Teil komplett neue Songs.

KEINE SHOUTINGS, VIEL ELEKTRONIK

Wer nun Shoutings und brachiale Gitarren-Gewitter á la Deftones erwartet, wird enttäuscht. Stattdessen ist „Crosses“ die bis dato poppigste Platte in Morenos Karriere: Eingängige Melodien verweben sich gekonnt mit Witch-House-Einflüssen und breiten Synthie-Flächen, mal mit mehr, mal mit weniger Gitarren. Düster, basslastig und kantig geht es zu, manchmal vielleicht etwas zu kantig, wenn sich eine leicht übergewichtige Detailverliebtheit breit macht und es an manchen Stellen im Studio wohl zu verkopft zuging. Auch wäre die Band gut beraten gewesen, hätten sie das Album auf weniger und dafür auf die essentiellen Songs reduziert. Unterm Strich ist Crosses aber ein sehr spannendes Album mit viel Tiefe gelungen, dass sein volles Potential zwar zögerlich, dafür aber plötzlich mit purer Wucht entfaltet. Kurz, ein Spaß für die ganze Familie – wenn man sich die Zeit nimmt und in angemessener Lautstärke lauscht … laut! Unbedingt!

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