KORN: DIE ENTTÄUSCHUNG EINER LIEBE | Stefan Herber

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Wednesday, 9. October 2013Blog, Musik 0 Comments
KORN: DIE ENTTÄUSCHUNG EINER LIEBE

Es ist eine Leichtigkeit über eine neugewonnene Liebe zu schwärmen. Geht diese in Brüche, ist es enorm schwierig ehrlich, reflektiert und konstruktiv ein Wort darüber zu verlieren, nach Möglichkeit auch ohne nur einmal in Fäkalsprache abzurutschen. Korn ist so eine alte Liebe, die bereits vor Jahren in die Brüche ging. Sehr unschön sogar. Aber wie das mit der Liebe ist: hin und wieder hält man sich doch noch auf dem Laufenden, was der andere so macht. Korn haben vor kurzem ihr 11. Studioalbum „The Paradigm Shit“ … korrigiere, „The Paradigm Shift“ veröffentlicht und damit alte Wunden aufgerissen.

Ein einst aufblühendes Talent

1996 war der Grunge schon 2 Jahre tot. Und wie das mit jedem musikalischen Hype ist, mit seinem Kommen und Gehen, wartete schon ein neuer an der nächsten Ecke: Korn veröffentlichten „Life is Peachy“ und wurden somit Mitbegründer des New Metal (im folgenden weigere ich mich vehement gegen die alberne Schreibweise „Nu Metal“). Was damals wie ein aufblühendes Talent im Gewand eines neuen, genialen Gitarrensounds klang, führte sich erstaunlicherweise mit den Alben „Follow The Leader“ (1998) und „Issues“ (1999) fort. Zu dieser Zeit brachte der New Metal Bands wie Limp Bizkit, Linkin Park und P.O.D. hervor und das Genre befand sich um 2000 herum auf seinem Zenith.

Das ging so lange gut, bis Korn 2002 „Untouchables“ veröffentlichten und sich die Stagnation nicht mehr verleugnen ließ – sowohl musikalisch als auch textlich. Frontman Jonathan Davis jammerte nun mehr in seinem 33. Lebensjahr über die bösen Kids aus der Schule, die ihn dauernd ärgerten und über Gedanken an den Freitod. Und überhaupt war das damals alles so schwer für ihn, dass es heute, 6 Alben und 11 Jahre später, den Anschein macht, als könne er diese Zeit nur verarbeiten, indem er nun auch anderen das Leben mit seiner Band zur Hölle macht.

Stumpfsinn nimmt Überhand

Beweis gefällig? Vorbote des neuen Albums ist der Song „Never Never“ und Korn brillieren mit theatralischem Stumpfsinn: „I don’t ever wanna have to try. Although I lie. It never flies. I don’t ever wanna have to die. But deep inside. The death it hides.

Wer dann im Chorus auch noch „Pretend“ auf „Again“ reimt, dem gehört einfach eine Ohrfeige zum Wachwerden. Im Hip-Hop schmunzelt man in solchen Fällen nicht umsonst über den „Haus-Maus-Rap“. Und auch was klanglich als einfallslose Metal-Pop-Nummer daherkommt, ist einfach nur zum fürchten. Da hilft auch die Versöhnung mit einstigem Ex-Gitarristen Head nichts. Beweismittel Nummer 2:

Eine Chronologie der Ziellosigkeit

Zugegeben, es ist ein, wenn auch schwacher, Aufwärtstrend im Vergleich zu den letzten Eskapaden von Korn. Man denke nur an die schaurige Kollaboration mit Rapper Nas auf „Take A Look In The Mirror“ (2003), „Did My Time“ für den Soundtrack der enttäuschenden Spielverfilmung von Tomb Raider, der peinlichen Cover-Version des 80er-Jahre-Songs „Word Up“ von Cameo, der dreisten Verstümmelung von Pink Floyds „Another Brick In The Wall“ und Metallicas „One“ auf „Greatest Hits, Vol. 1“. Der krampfhafte Versuch, aus der Tristesse der vergangenen Jahre auszubrechen, ging gewaltig in die Hose und setzte sich durch die Zusammenarbeit diverse Produzenten von Britney Spears, Avril Lavigne und Mariah Carey fort. Und ja, wir sprechen immer noch über die Band Korn. Selbige Band, die 2011 auf „The Path Of Totality“ Flachpfeifen wie den MacBook-Performer Skrillex an ihren bis dato eigenständigen Sound dran ließen.

Das Ergebnis war wie zu erwarten die Vertonung eines Pornofilms, in dem Optimus Prime und Megatron die Hauptrollen innehätten. Es knarzt und wummert über harten Gitarren und Slap-Bass, dass man den Eindruck nicht los wird, sich auf einem Festival mitten zwischen zwei Bühnen zu befinden. Ein Blick auf die Hauptbühne zeigt, dass Jonathan Davis auch im Jahr 2013 seinen HR Giger Mikrofonständer nun mehr seit 11 Jahren mit sich herum schleppt, sich von seiner Ziellosigkeit und der seiner Band nicht losreißen kann und mit 42 Jahren noch immer an seiner harten Jugend nagt. Eine Band, die nur noch ein Schatten ihrer selbst und ihrer einstigen Großtaten sind. Eine Band, die es nie geschafft hat, mit ihrer vor Jahrzehnten pubertär-depremierten Jugendzielgruppe mitzuwachsen, zu reifen und sich dieser anzupassen. Eine Band, die in ihrem jetzigen Alter und ihrem aktuellen Sound nicht auch nur eine Handvoll trauriger Kids mehr anspricht. Kurz: gebt auf oder gebt euch Mühe, wenn ihr wieder geliebt werden wollt. Ich hab’s auch geschafft über euch zu schreiben, ohne einmal in Fäkalsprache abzurutschen. Denken wir noch einmal an die guten, alten Zeiten …

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