MARSHEAUX - A BROKEN FRAME | Stefan Herber

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Thursday, 22. January 2015Blog, Musik 0 Comments
MARSHEAUX: A BROKEN FRAME

Oft kopiert, selten erreicht: Kaum eine Band wurde so oft gecovert wie Depeche Mode. Die Gründe dafür liegen klar in ihrem Kultstatus: Über 30 Jahre Bandgeschichte, Pioniere der elektronischen Musik, ein stetiger Spagat zwischen Alternative und Mainstream, eine nie gekannte Fangemeinde, die sich selbst Devotees oder Black Swarm nennt sowie von Fans organisierte Partyreihen – weltweit. Depeche Mode sind ein lebender Mythos. Das haben auch Marsheaux erkannt und gleich ein ganzes Depeche Mode Album gecovert.

Von Tori Amos bis Rammstein

Seit jeher erscheinen regelmäßig Depeche Mode Covers. Meist probieren sich dabei kleine Synthie-, Elektro- und Dark-Wave-Bands an ihren Lieblingssongs und schießen dabei weit neben das Ziel: zu einfallslos verpackt, zu plastisch die Samples, zu gewollt der Gesang von Dave Gahan imitiert, zu schwach die Produktion. 1998 erschien mit „For the Masses“ ein Tribut-Album, auf dem sich auch größere Bands am Sound der Briten versuchten: von The Smashing Pumpkins über The Cure bis hin zu Deftones, Monster Magnet und Rammstein. Und dann sind da noch die Welthits, die von anderen Künstlern gerne aufgegriffen werden: Tori Amos und Nada Surf mit „Enjoy The Silence“ oder Johnny Cash und Marilyn Manson mit „Personal Jesus“ – das eine von der Band geliebt, das andere verhasst.

Die bis dato recht unbekannten Marsheaux beweisen gegenüber ihren großen Kollegen mehr Mut: Sie probieren sich gleich an einem ganzen Depeche Mode Album. Wie naheliegend wären da Kultalben wie „Black Celebration“ oder „Violator“ gewesen. Stattdessen entschiedenen sie sich für „A Broken Frame“ von 1982 – das von Fans oft ungeliebte und sicher eines der schwächsten Alben von Depeche Mode. Auf die Idee kam das Duo, als sie einmal ihre iPods tauschten und ihnen auffiel, dass sie beide das Album bei sich gespeichert hatten. Beim gemeinsamen Hören beschlossen sie, alle Songs zu covern. Das war vor vier Jahren.

Luftig, tanzbar, ohne Ecken und Kanten

Marsheaux, das sind Marianthi Melitsi und Sophie Sarigiannidou aus Thessaloniki. Seit 2003 veröffentlichte das Duo vier Alben. Keines davon fand seinen Weg in die breite Masse außerhalb Griechenlands. Das könnte sich mit „A Broken Frame“ ändern. Der Sound der frühen 1980er-Jahre steht den beiden recht gut: Nah dran und in ein frisches Gewand verpackt, überzeugt die Platte durch starke Eigeninterpretationen, ohne dabei jemals die Stimmung und den Charme der Originalen zu verlieren. Kein krampfhafter Versuch Dave Gahans Bariton zu imitieren. Stattdessen durchzieht sanfter Gesang die zehn Stücke.

Immer wieder erinnern Marsheaux dabei an die frühen Goldfrapp und Ladytron, ziehen instrumental ungewollt Parallelen zu Chvrches. Luftig und leicht wirkt die Produktion, die Atmosphäre warm und kühl im Wechsel, und dabei tanzbarer als im Original. Da stört es auch nicht, dass es hin und wieder an Ecken und Kanten fehlt: „My Secret Garden“ begeistert mit der einwandfreien Umsetzung der Spannungsbögen des Original-Tracks; „The Sun and The Rainfall“ entfaltet durch die eigene Note ganz besondere Emotionen; „Shouldn’t Have Done That“, der auch schon damals merkwürdigste Track auf „A Broken Frame“, ist in seiner Coverversion sogar weitaus erträglicher. Dafür wirken Songs wie „See You“ und „A Photograph of You“ etwas steif, tun dem Gesamtwerk aber kaum einen Abbruch. Alles in allem ist „A Broken Frame“ ein würdiges Tribut geworden, dass den eigenen Sound von Marsheaux konsequent und uneingeschüchtert auf die Blaupausen von Depeche Mode legt. Ein Elektro-Pop Coveralbum, bei dem man sich nicht erst über zehn Durchgänge vom Ursprungswerk lösen muss. Ein Cover-Album, das auch eigenständig für Nicht-Devotees interessant sein kann.

Videos der neuen Songs gibt es bisher leider keine. Dafür warten einige Teaser auf Soundcloud:

Photo: Marsheaux

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