Moderat: II | Stefan Herber

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Friday, 2. August 2013Blog, Musik 0 Comments
Moderat: II

Eine sehr alte, aber im Schullehrplan nie aufgeführte mathematische Formel lautet: Modeselektor + Apparat = Moderat. Dabei wäre diese Formel nutzvoller, als Algebra. Algebra habe ich nie wieder gebraucht. Moderat dagegen gehört zum Leben wie das Essen. Sofern man gerne gut isst.

Zwischen Tanzbarkeit und großen Gefühlen

Nein, hier geht es nicht um Dinner-Musik. Im Gegenteil. Wer der elektronischen Musik nachsagt, sie habe keine Seele und wecke keine Emotionen, hat nicht bloß keine Ahnung: er kennt Moderat nicht. Das Berliner Trio um Gernot Bronsert und Sebastian Szary (Modeselektor) und Sascha Ring (Apparat) hat sich vier Jahre nach ihrem selbstbetitelten Debüt wieder ins Studio begeben und mit „II“ ihre zweite Platte aufgenommen. Was sie nun von Dinner-Musik unterscheidet? Der Spagat zwischen exzessiver Tanzbarkeit und großen Gefühlen.

Modeselektor sind weltweit ein Garant für qualitativ hochwertige elektronische Tanz-Musik, laut und bassig, fernab von stupidem Techno-Einheitsbrei. Vermutlich schauen sie selbst mit geschwellter Brust auf ihre eigenen Platten, aber auch auf Arbeiten mit Thom Yorke (Radiohead) und Björk zurück.Sogar Madonna bediente sich in einem ihrer Songs an einem Sample von Moderat. Wohlgemerkt ungefragt. Das wurde zufällig auf einer Live-DVD entdeckt, es gab Stunk und man einigte sich außergerichtlich. Glück für Madonna: Im schlimmsten Fall hätte die schrumpelige Pop-Ikone hunderttausende DVD-Pressungen einstampfen können. Lustig wär’s ja schon gewesen.

Die Rechnung geht auf

Und obwohl sich das Duo und Sascha Ring schon aus der Jugend kennen, könnten die zwei Parteien musikalisch kaum gegensätzlicher sein: Apparat zielte noch nie darauf, das Trommelfell seiner Hörer zum Platzen zu bringen, war nicht selten mehr Sounddesigner. Eben immer irgendwie „deeper“. Die Rechnung geht aber auf: Mit „II“ ist somit eine Platte entstanden, deren Fundament aus Tiefe und Druck besteht, fern von Up-Tempo-Beats, und dennoch enorm treibend. Den Rest übernehmen oftmals hypnotische Synthie-Sounds und warm-weiche Flächen.

Auf Gastsänger wurde auf der zweiten Moderat-Platte komplett verzichtet. Dafür begibt sich Apparat himself öfters ans Mikrofon: Da wäre das groovige „Gita“, das erschaudernde „Damage Done“ oder die Vorab-Single „Bad Kingdom“, die die anfangs erwähnte Tanzbarkeit und das große Gefühl lehrplanmäßig vereint. Und ganz sicher Appetit auf mehr macht. Lasst es Euch schmecken!

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