THERE WILL BE FIREWORKS: THE DARK, DARK BRIGHT | Stefan Herber

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Sunday, 22. December 2013Blog, Musik 0 Comments
THERE WILL BE FIREWORKS: THE DARK, DARK BRIGHT

Das Jahr neigt sich dem Ende, mal wieder. Man blickt zurück, man schleppt sich durch die letzten Tage, in all der naiven Hoffnung, dass mit einem Feuerwerk über Nacht alles besser oder wenigstens anders wird. Wer sich zum Ende des Jahres in Sensibilität und Sentimentalität hüllt, sich Schwer- und Wehmütig durch die kalten, dunklen Tage kämpft und die Wunden der vergangenen Monate leckt, für den gibt es nach 11 1/2 Monaten den passenden Soundtrack – spät, aber dafür vielleicht eines der besten Alben des ganzen Jahres. Und bei dieser Platte handelt es sich um ein Feuerwerk, dass vielleicht wirklich etwas bewirkt.

Melancholie trifft Euphorie

There Will Be Fireworks sind eine kleine Band aus Glasgow, deren kommerzieller Durchbruch nur eine Frage der Zeit sein kann. Vor vier Jahren veröffentlichten sie ihr gleichnamiges Debüt, der Erfolg blieb aber aus. Nun ist ihr zweites Werk „The Dark, Dark Bright“ erschienen und der Titel ist Programm: Ein melancholischer Mantel aus Postrock-, Folk- und Singer-Songwriter-Allüren wickelt sich um einen strahlend leuchtenden Kern aus Euphorie, der nur in wenigen, aber dafür stets in den richtigen Momenten zum Vorschein kommt.

Zaghaften zupfen sich schwermütige Gitarren durch die 12 Songs, werden belegt mit feinfühligen Stimmen und punktiert stützen Streicher und Bläser das fragile Gebilde. Erst im tieftraurigsten Moment bäumt sich das gesamte Instrumentarium zu einer uneinreißbaren Wand auf – ohne Kitsch und ohne aufgesetzten Pathos. Modell hierfür stehen Songs wie das unerschütterliche „River“ und das träumerische „Youngblood“.

Ein Album zwischen Hochs und Tiefs

So tänzelt das Album zwischen Hochs und Tiefs, balanciert am Abgrund und schlägt trotz aller Gefahr dabei Saltis. So wie in „South Street”, das beweist, dass das Song-Arrangement auf einer Platte das Werk erst vollkommen macht. Und dann gibt es wieder diese Momente, in denen alles anders läuft: „Roots“ zieht einen bereits in seiner Musik auf den Boden der Traurigkeit, ohne Netz und doppelten Boden. Die Textzeilen erledigen dann den Rest: „When she called you up out of the blue / You felt sick for a bit but that passed and you knew / That growing up happened too fast / You can’t remember last summer / Or the way that she laughed / Well you can’t remember much at all anymore“. Und so viel sei verraten: Dieses Mal gibt es nicht einmal einen Chorus, der einen lächelnd aus den bösen Traum erweckt.

„The Dark, Dark Bright“ ist trotz trauriger Töne somit kein Album, dass den Kitsch zelebriert und auch kein Album, dass einen völlig depressiv zurücklässt. Kaum eine Platte der vergangenen Jahre strotzte mit so viel Ehrlichkeit und Authentizität. „The Dark, Dark Bright“ ist ein ernstes Gespräch von 48 Minuten und 26 Sekunden mit dem besten Freund, dass einen rüttelt, erdet und gelegentlich den Spiegel vorhält, um ihn dann wieder in den Alltag zurückzulassen, um die Dinge fortan besser zu machen. Über Nacht quasi, eingeleitet mit einem Feuerwerk.

Frohes Fest und einen guten Rutsch in 2014!
S.

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