Tricky: Neue alte Single | Stefan Herber

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Thursday, 7. March 2013Blog, Musik 0 Comments
Tricky: Neue alte Single

Aus dem Künstlerkollektiv „The Wild Bunch“, die in den 80er Jahren lokal das britische Bristol gerockt haben, entsprangen in den 90er Jahren heutige Größen wie Massive Attack und Tricky. Der Bristol-Sound war geboren, durchlebte in der Mitte des Jahrzehnts durch weitere Künstler wie Portishead und Lamb einen enormen Hype und bekam schlussendlich einen Namen, von dem sich heute ausnahmslos jeder dieser Künstler distanziert: Trip Hop.

Tricky, eben ein solches Kind dieser Brutstätte, veröffentlicht am 27. Mai sein zehntes Studioalbum „False Idols“. Mit „Nothing’s Changed“ gibt es einen ersten Vorgeschmack auf das was kommt. Oder kommen soll.

Ein perfektes Rezept

Was hat sich getan: „Nothing’s Changed“ – der Name ist Programm und doch ist alles anders. Adrian Thaws (Trickys bürgerlicher Name) durchlebte in seiner Diskografie bereits einige Genres: Von dem, was man Trip Hop nennt, über Rock bis hin zu Raegge und Hip Hop. Dennoch zog sich bis heute durch Trickys Gesamtwerk ein roter Faden, der seinen Sound unverwechselbar macht: schleppende bis treibende Beats, untermalt mit synthetischen Streichern, in weibliche Stimmen gehüllte Melancholie und begleitend dazu Trickys rauer Sprechgesang. Dieses nicht mehr ganz so geheime und doch lange verschollene Geheimrezept greift „Nothing’s Changed“ in Perektion wieder auf.

Schluss mit Experimenten

„Nothing’s Changed“ ist also weniger eine Überraschung als viel mehr ein Stück Bekennung zu Trickys Wurzeln. Ein weiteres Indiz dafür sind die Textzeilen „We follow where Mary goes / Cherish the things she knows / And says if I change my stride / Then I’ll fly“, womit Tricky sich selbst aus „Makes Me Wanna Die“ zitiert („Pre-Millenium Tension“, 1997).

Man könnte jetzt sagen, Tricky habe es sich leicht gemacht und verfolge nun wieder den Weg, den er über Jahre mit seiner einstigen Muße Martina Topley-Bird verfolgt hat. Doch nach all den Experimenten auf den vergangenen Platten, guten wie schlechten, ist „Nothing’s Changed“ nicht der einfachste, sondern der ehrlichste und authentischste Weg. Das unterschreibt er jetzt sogar selbst:

I was lost for ages. I was trying to prove something to people, trying to do something to please other people and also myself at the same time, which is never going to work. To be honest with you, I’ve been floating around since Chris Blackwell and Island. My last two albums, I thought they were good, but I realize now they weren’t. This album is about me finding myself again. – Tricky

Wenn das Album „False Idols“ im Mai erscheint, können wir uns von all dem überzeugen oder vom Gegenteil belehren lassen. Bekannt ist bisher, dass auf den 15 Tracks neben Francesca Belmonte, der Stimme aus „Nothing’s Changed“, auch The Antlers-Frontmann Peter Silberman mit von der Partie ist – und das könnte ganz großes Kino werden. Bis dahin wickelt uns aber die erste Single warm und vertraut in längst vergangene Zeiten. Und das gilt es zu genießen.

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